TZ: App-Chaos auf dem Bodensee - Segler nerven sich über unterschiedliche Reservationssysteme

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TZ: App-Chaos auf dem Bodensee - Segler nerven sich über unterschiedliche Reservationssysteme

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In Arbon können Bootsbesitzerinnen und Bootsbesitzer einen Liegeplatz mit der Boatpark-App reservieren. Bild: ©Judith Schönenberger/TZ


15.07.2026 - Thurgauer Zeitung
Judith Schönenberger/TZ
Judith Schönenberger, geboren 1997, ist Seereporterin bei der Thurgauer Zeitung und dem St.Galler Tagblatt. In dieser Funktion berichtet sie über alles, was die Menschen von Thal bis Kesswil auf und am Wasser bewegt. Bevor sie 2022 ihre Stelle als Seereporterin antrat, absolvierte sie ein Journalismus- und Kommunikationsstudium an der ZHAW in Winterthur und sammelte journalistische Erfahrungen beim Beobachter und SRF.


Wer seinen Heimathafen am Bodensee verlässt, kann seinen Liegeplatz freigeben und als Gast in anderen Häfen anlegen. Früher funktionierte das mittels eines Tafelsystems, seit ein paar Jahren gibt es dafür verschiedene Apps. Der entstandene Flickenteppich frustriert Segler.

Darum geht es
Am Bodensee gibt es bei der Liegeplatz-Reservation kein einheitliches System. Einige Häfen arbeiten mit Tafeln, andere mit drei verschiedenen Apps für Freigabe und Buchung von Plätzen. Während einzelne Häfen Vorteile wie einfachere Reservierung sehen, bleibt die Einführung neuer Lösungen umstritten.

Seine Ferien verbringt Ernst Maute aus Horn am liebsten auf dem Bodensee. «Ich segle seit über 50 Jahren», sagt er. Mit seinem Boot ist der 72-Jährige tagelang unterwegs, übernachtet mal im einen Hafen, dann im nächsten. Mittlerweile allerdings meidet er gewisse Häfen. «Die, in denen ich einen Liegeplatz nur per App reservieren kann.»

Bis vor ein paar Jahren war das System für Böötlerinnen und Böötler in allen Häfen am Bodensee gleich: Wer seinen Liegeplatz verliess, stellte die Tafel am Steg auf Grün und vermerkte, bis wann der Liegeplatz frei blieb. Den nun freien Liegeplatz konnte ein anderer Gast nutzen. Ein Segler aus Arbon konnte so also beispielsweise in Sipplingen übernachten, der Sipplinger Liegeplatzbesitzer umgekehrt fand sicher einen freien Platz in Arbon.

Die Digitalisierung hat vor dem Bodensee nicht Halt gemacht. Während manche Häfen am Tafelsystem festhalten, nutzen andere eine App. Seglerinnen und Segler können damit ihren Liegeplatz online freigeben und in anderen Häfen Plätze reservieren. Aber nicht alle Häfen nutzen die gleiche App, es gibt drei verschiedene. «Es ist ein rechtes Durcheinander», sagt Maute. Er habe es mit einer App probiert, es habe nicht geklappt. «Vielleicht bin ich zu alt dafür.»

«Teilweise funktionieren Apps nicht»
Das Tafelsystem habe super funktioniert. Jetzt ist die Auswahl an Häfen für Maute eingeschränkt: In Hard oder Lochau zum Beispiel, wo alles per App laufe, lege er nicht mehr an. Dabei schätze er die Vielfalt an schönen Orten am Bodensee, die man besuchen könne. «Schade, wenn dieses Erlebnis von den Apps kaputt gemacht wird.»

Mit dieser Ansicht ist Maute nicht allein. Das bestätigt Marco Ferigutti, Präsident der Seglervereinigung Horn. Die Situation mit den Liegeplatzsystemen beschreibt er als Flickenteppich, viele Segler seien davon genervt. «Man weiss nicht, welcher Hafen welches System hat, und teilweise funktionieren die Apps nicht.» Hinzukomme, dass viele Seglerinnen und Segler älter seien und sich den Umgang mit Apps nicht gewohnt seien.

Ferigutti nennt auch den Vorteil der Apps: «Man sieht schon im Voraus, ob es freie Hafenplätze gibt und kann sie reservieren.» Das erspare langes Suchen. Aber: «Wünschenswert wäre, dass alle Häfen die gleiche App haben.» Das war auch die Grundidee des internationalen Bodensee-Segler-Verbands.

Segler-Verband wollte Empfehlung abgeben
Vor neun Jahren habe der Verband darum eine Arbeitsgruppe gegründet, sagt Verbandspräsident Theo Naef aus Egnach. Die Gruppe entwickelte mit der Schweizer Firma Boatpark eine App und brachte ihre Wünsche ein. Das Ziel war, dass der Verband den Hafenbetreibern eine App zur Anwendung empfiehlt. Doch es kam anders.

«In der Zwischenzeit waren zwei andere App-Anbieter, Pompomela und MySea, aufgetaucht und einige Verbandsmitglieder fanden es nicht gut, dass wir Boatpark bevorzugten.» Schliesslich entschied der Vorstand: «Wir lassen den Markt spielen und machen nichts.»

Mit der heutigen Situation ist Theo Naef nicht zufrieden. «Der Nutzer ist geprellt, weil er drei Apps installieren muss und ein Austausch der erforderlichen Informationen mit Datenschutzrichtlinien verhindert wird.» Einen Vorteil für all jene, die ihren eigenen Platz für andere freischalten, gebe es vorerst nicht. «Es ist ein Chaos.» Er glaubt, der Empfehlung des Verbands für eine bestimmte App wären viele Häfen gefolgt. Jetzt seien es jährlich ein bis zwei Häfen, die vom Tafelsystem auf eine der drei Apps umstellten.

Im Arboner Hafen ist eine App im Einsatz
Einer davon ist der Hafen Arbon. Seit bald fünf Jahren lässt sich dort ein Teil der 600 Liegeplätze mit der Boatpark-App reservieren. Der andere Teil funktioniert nach wie vor nach dem Tafelsystem. «Es war mir von Anfang an ganz wichtig, dass man auch weiterhin ohne App im Hafen anlegen kann», sagt der Arboner Hafenmeister Timo Mösli. Eingeführt habe man eine App, weil das ein Wunsch der Gäste gewesen sei.

In einem Auswahlverfahren setzte sich die Firma Boatpark gegen die anderen zwei Apps durch. Laut Mösli, weil sie aus der Schweiz ist und die Software für die gesamte Verwaltung des Hafens liefern konnte. «Ein Kriterium war auch, dass Hafengäste mit der Boatpark-App bezahlen können.» Ohne App bezahlen die Böötlerinnen und Böötler direkt beim Hafenmeister oder werfen das Bargeld in den Briefkasten.

Für Hafenmeister überwiegen die Vorteile
Mösli, der für die 600 Wasserplätze im Arboner Hafen zuständig ist, zieht nach fünf Jahren mit App eine positive Bilanz: «Am Anfang gab es viele Fragen, viel Misstrauen, aber mittlerweile bin ich sehr zufrieden. Es ist weniger Aufwand, ich muss die Gäste nicht mehr so stark kontrollieren.» Seiner Erfahrung nach funktioniere die App bei den meisten einwandfrei. «Seit Corona weiss jeder, was ein QR-Code ist.»

Für Mösli liegen die zwei grössten Vorteile einer App auf der Hand: «Der Segler muss nicht schon um 15 Uhr im Hafen sein, um einen Platz zu finden. Er kann ihn entspannt buchen und am Abend um 22 Uhr in den Hafen fahren.» Und der Segler müsse auf der Suche nach einem Platz nicht jeden Steg abfahren. «Er weiss genau, wo er seinen Platz findet.»

Trotz all der Vorteile findet es Mösli «Schwachsinn», dass es drei verschiedene Apps auf dem Bodensee gibt. «Es ist blöd und gleichzeitig völlig logisch, weil alle ein Stück vom Kuchen wollen.» Seiner Meinung nach müsste es eine Schnittstelle geben zwischen den Apps. Damit beispielsweise eine Boatpark-Nutzerin auch sehen würde, welche Liegeplätze in der MySea-App freigeschaltet sind. «Wenn alle Häfen die gleiche App hätten, wäre es am einfachsten.»

Goldacher Hafen ist zu unbedeutend für eine App
Die meisten Häfen am Bodensee nutzen für Platzreservationen keine App. Einer davon ist der Hafen Rietli in Goldach. Laut Hafenmeister Uwe Schaefe sei es bisher kein Thema gewesen, die App einzuführen. «Unser Hafen ist zu klein und zu unbedeutend, als dass sich der Aufwand lohnen würde.» Im Rietli in Goldach gibt es 99 Wasserplätze, sechs davon sind Gästeplätze. «Jeder, der in den Hafen kommt, sieht recht schnell, ob es noch freie Plätze hat. Das funktioniert gut», sagt Schaefe.

In Goldach zahlen Hafengäste mit Bargeld, Twinten beispielsweise geht nicht. Schaefe fände es gut, wenn es eine App mit einheitlichem Bezahlungssystem auf dem See gäbe. Bis sich eine App etabliert habe, werde es aber noch ein paar Jahre dauern. «Der Trend geht aber sicher in diese Richtung.» Hätten die meisten Häfen die gleiche App, würde der Hafen Rietli in Goldach mitziehen. «Wenn sich eine der Apps durchsetzt und funktioniert, sind wir natürlich dabei.»

BN-Bemerkung Herbert Brüllmann
Ich bin seit vielen Jahren Abonnent der Thurgauer Zeitung und ich erlaube mir infolge der Wichtigkeit des Artikels diesen mit einem Bild zu veröffentlichen.


BN/IBN - 13.05.2026 - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
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